Anhörung im Landtag: Diskriminierung und Rassismus im Gesundheitswesen

Unsere Geschäftsführerin Karin Loos vertritt das NTFN in der Kommission zu Fragen der Migration und Teilhabe des Niedersächsischen Landtags. Bei der 25. Sitzung am 16. Juni 2026 fand dort eine Anhörung zum Thema Diskriminierung und Rassismus im Gesundheitswesen statt.

Dr. Cihan Sinanoğlu (NaDiRa/DeZIM) stellte Ergebnisse seines Berichts „Rassismus und seine Symptome” vor. Im Rahmen des Berichts wurden Testanfragen an Arztpraxen versendet, dabei wurde festgestellt, dass Anliegen die mit türkisch oder afrikanisch klingenden Namen unterschrieben waren, seltener positiv beantwortet wurden. In der psychotherapeutischen Versorgung fiel dies besonders stark auf.

Robin Marks und Marcus Wächter-Raquet präsentierten das Projekt „Rassismus macht krank”, das auf Empowerment Betroffener und gleichzeitig Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen setzt.

Auch die Ärztekammer Niedersachsen positionierte sich in einem Redebeitrag: Das Gesundheitssystem müsse allen Menschen gleichen Zugang und gleiche Versorgung gewähren. Dr. med. Marion Charlotte Renneberg, Präsidentin der Ärztekammer, forderte mehr Forschung zu Rassismus und Diskriminierung im Gesundheitswesen und betonte die zentrale Bedeutung von Sprache. Als drängendes Problem nannte sie den Mangel an Dolmetschenden in Praxen und Kliniken. Die Kammer macht damit auf die dringend benötigte finanzierte Sprachmittlung aufmerksam, welche besonders im psychosozialen Bereich essentiell ist.

Die Kommission übte zudem Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), die die Einladung zur Sitzung abgelehnt hatte. Die KVN weise eine strukturelle Dimension des Themas zurück, indem sie die Verantwortung für die Situation den Klient:innen selbst zuschreibe, und trage damit zur weiteren Tabuisierung der Problematik bei.

Über alle Beiträge hinweg zogen sich ähnliche Forderungen: unabhängige Meldestellen für Diskriminierung, eine landesweite Strategie für qualifizierte Sprachmittlung im Gesundheitswesen, verbindliche Fortbildungen zu Rassismus und Diskriminierung sowie ein verbesserter, diskriminierungsärmerer Zugang zur Gesundheitsversorgung für Geflüchtete.

Die in der Anhörung beschriebenen Versorgungslücken bestätigen, was wir in unserer täglichen Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten immer wieder erleben: Sprachbarrieren und Diskriminierungserfahrungen erschweren den Zugang zu dringend benötigter psychosozialer und medizinischer Versorgung. Wir setzen uns daher weiterhin für verlässliche Sprachmittlung und diskriminierungssensible Strukturen im Gesundheitswesen ein.