Pressemitteilung zur Suizidprävention

Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention – auch viele Geflüchtete sind von suizidalen Gedanken und Depression betroffen. Allerdings erhalten sie oft nicht die Hilfe, die sie benötigen. Das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN) unterstützt diese Menschen. Welche schwerwiegenden Folgen suizidale Gedanken haben können, zeigt auch der Fall von Herrn Noorzai.

Herr Noorzai* kommt im Jahr 2015 unbegleitet und minderjährig nach Deutschland – sein Vater arbeitet für das afghanische Militär und zieht dabei die Rache der Taliban auf sich. Um den Sohn zu schützen, wird er ins Internat geschickt. Herr Noorzai lebt als Kind die meiste Zeit getrennt von seiner Familie und sehnt sich nach seiner Mutter. Als der Vater und mehrere Familienangehörige sterben, scheint die Flucht nach Deutschland der einzige Ausweg

Herr Noorzai ist voller Frust: auch 4 Jahre nach seiner Ankunft ist sein Asylverfahren noch immer nicht entschieden. Das heißt: keine Perspektive, keine Sicherheit. Er verfällt zunehemend in Resignation und Depression – und unternimmt den ersten Selbstmordversuch.

Er wird an eine Tagesklinik angebunden, bricht die weitere Behandlung jedoch ab. Einer ambulanten Betreuung durch den NTFN stimmt er jedoch zu. Unsere Mitarbeiter*innen organisieren eine fachärztliche Stellungnahme, regelmäßig kann er mit einer Behandlerin über seine Situation sprechen. Herr Noorzai sagt, dass er daraufhin wieder etwas Hoffnung habe:

„Das ist ein kleines Licht in der Dunkelheit. Es ist nicht hell, aber wenigstens kann ich einen Weg erkennen“

Sechs Jahre nach seiner Ankunft wird ein Abschiebeverbot erwirkt. Das nimmt Druck, seine Depression hat sich jedoch in der Zwischenzeit chronifiziert. Die „dunkle Wolke“ über seinem Leben verschwindet nicht. Das Gefühl der Entwurzelung und Einsamkeit bleibt.

Dennoch findet er langsam ins Leben zurück: Er macht einen Schulabschluss, den Führerschein, findet Arbeit. Ende 2022, nachdem er einen Pass hat, reist er in den Iran, um endlich seine Mutter wiederzusehen.

2025 wird seine Mutter krank und stirbt – das löst erneut eine große Krise aus, mit psychotischen Symptomen und wiedererstarkter Suizidalität. Eine Klinikeinweisung lehnt er weiterhin ab, bricht auch die ambulante Therapie ab. Dann wird er wieder beim NTFN vorstellig. Das NTFN begleitet ihn zunächst engmaschig, dann wieder in größer werdenden Abstände, bis er wieder stabilisiert ist.

Am Ende bedankt sich Herr Noorzai mehrmals für die Unterstützung: „Ohne den NTFN wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben.“

Um Menschen wie Herrn Noorzai zu helfen, setzt sich das NTFN seit fast zwanzig Jahren für traumatisierte und psychisch erkrankte Geflüchtete ein. Mit Standorten in Braunschweig, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück ist es niedersachsenweit tätig und betreute im vergangenen Jahr über 3000 Menschen, die sonst nur schwer oder gar keine psychosoziale Unterstützung erhalten hätten.

Anlässlich des Welttags der Suizidprävention lädt das NTFN in Kooperation mit der Region Hannover und der DGPPN ein zu einem eigenen Fachtag: „Suizidalität aus transkultureller Perspektive“ 11. September im Haus der Region Hannover. Eine Anmeldung über www.ntfn.de ist notwendig, Ehrenamtliche können eine Ermäßigung auf den Teilnahmebetrag (85€) erhalten.

Wollen Sie mit uns über die Situation von suizidgefährdeten Geflüchteten sprechen? Pressegespräche können mit uns zeitnah vereinbart werden (Kontakt: Armin Wühle, a.wuehle@ntfn.de